C2C-Marktplatz für Second-Hand-Kleidung – Litauen
Steckbrief
Vinted, ursprünglich unter dem Namen Kleiderkreisel gestartet, ist Europas wertvollstes Second-Hand-Mode-Einhorn für den privaten Wiederverkauf von Kleidung. Die Plattform hat sich von einem Nischenangebot für Kleidertausch zu einem der bekanntesten C2C-Marktplätze Europas entwickelt. Der Fokus liegt konsequent auf privaten Verkäufern, die gebrauchte Kleidung, Schuhe und Accessoires an andere Privatpersonen verkaufen, wodurch sich Vinted von klassischen Handelsplattformen mit gewerblichen Anbietern unterscheidet. Funktionsweise im Detail: Verkäufer laden Fotos, Größe, Zustand und Preis eines Kleidungsstücks hoch, Käufer können direkt über den integrierten Chat Preise verhandeln. Nach Kaufabschluss übernimmt die Plattform die Zahlungsabwicklung und stellt ein Versandetikett bereit, sodass der Verkäufer das Paket lediglich abgeben muss. Der Käuferschutz greift, wenn ein Artikel nicht wie beschrieben ankommt oder gar nicht verschickt wird, wodurch das Risiko für den Käufer trotz Kauf von einer unbekannten Privatperson begrenzt bleibt. Nutzergruppen reichen von Gelegenheitsverkäufern, die nur einzelne Kleidungsstücke aus dem eigenen Schrank abgeben, bis hin zu sehr aktiven Wiederverkäufern, die faktisch wie kleine Händler agieren, sowie Käufern, die gezielt nach günstiger oder besonders gesuchter gebrauchter Mode suchen.
Geschätzter Umsatz: ca. 600 bis 800 Mio. € / Jahr
Konzept & Problem
Umsatz-Modell
Gibt's das schon in Deutschland?
Was man beachten muss
Ab 30 Transaktionen oder 2.000 Euro Jahresumsatz meldet Vinted Verkaufsdaten automatisch an das Finanzamt. Grundlage dafür ist die europäische Meldepflicht für digitale Plattformen, bekannt als DAC7, die Plattformbetreiber verpflichtet, Verkaufsaktivitäten ihrer Nutzer an die Steuerbehörden zu übermitteln, sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden. Für Nutzer bedeutet das: Wer nur gelegentlich private Gegenstände verkauft, bleibt in der Regel unproblematisch, während systematisches, gewerbliches Handeln über die Plattform eine offizielle Anmeldung als Gewerbe erfordern kann. Zum Schutz vor Betrug und Phishing-Versuchen sollten Zahlungen und die gesamte Abwicklung zudem stets ausschließlich über das interne System der Plattform erfolgen und nicht auf externe Kanäle verlagert werden. Diese Meldepflichten und Schutzmechanismen sind allgemeine Rahmenbedingungen, die für alle vergleichbaren C2C-Plattformen in der EU gelten, nicht nur für Vinted. Ein Risiko besteht darin, dass mit zunehmendem Verkaufsvolumen einzelner Nutzer die Grenze zwischen privatem Gelegenheitsverkauf und gewerblicher Tätigkeit verschwimmt, was für Plattform und Nutzer gleichermaßen zu klärende Fragen aufwirft. Ein weiteres Risiko sind Fälschungen und irreführende Artikelbeschreibungen, die das Vertrauen in die gesamte Plattform beeinträchtigen können, wenn sie nicht konsequent erkannt und entfernt werden. Wer regelmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht über eine solche Plattform verkauft, benötigt in Deutschland grundsätzlich eine Gewerbeanmeldung und muss die umsatzsteuerliche Behandlung der Erlöse prüfen, während rein gelegentliche private Verkäufe davon in der Regel nicht betroffen sind. Die genannte DAC7-Meldepflicht ist dabei nur ein Baustein eines umfassenderen Rahmens, zu dem auch die allgemeinen Fernabsatz- und Widerrufsregeln zählen, sobald ein Verkäufer als Unternehmer im rechtlichen Sinne auftritt. Für den Plattformbetreiber selbst gelten zusätzlich DSGVO-Vorgaben beim Umgang mit Nutzer-, Zahlungs- und Kommunikationsdaten sowie allgemeine Plattformpflichten zur Anbieterkennzeichnung und zum Beschwerdemanagement.
Allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand: 12.09.2026.