Kleidungs-Verleih im Abo-ModellUSA

AboKapital: HochB2CLeicht reguliert

Steckbrief

Rent the Runway wurde 2009 in New York (USA) gegründet und bietet Kleidungs-Verleih im Abo-Modell an. Seit 2021 ist das Unternehmen börsennotiert, was für ein Geschäft im Bereich Mode-Sharing eine bemerkenswerte Reife zeigt, da der Weg von der Gründung bis zum Börsengang mit erheblichem Kapitalbedarf für Lagerhaltung, Logistik und Reinigungsinfrastruktur verbunden war. Mit einem geschätzten Jahresumsatz von etwa 330 bis 350 Millionen US-Dollar gehört Rent the Runway zu den größeren Beispielen für ein Circular-Fashion-Geschäft, das nicht auf den Verkauf, sondern auf die wiederholte Nutzung derselben Kleidungsstücke durch verschiedene Kundinnen setzt.

Geschätzter Umsatz: ca. 330 bis 350 Mio. $ / Jahr

Konzept & Problem

Das Konzept löst ein Problem, das viele Menschen aus dem Alltag kennen: Für einen bestimmten Anlass wird ein neues, passendes Outfit gebraucht, ohne dass ein Kauf sinnvoll erscheint, weil das Kleidungsstück danach kaum noch getragen wird. Statt Mode dauerhaft zu besitzen, ermöglicht Rent the Runway den zeitweisen Zugang zu einer großen Auswahl an Kleidung, die nach der Nutzung zurückgeschickt, gereinigt und erneut verliehen wird. Damit steht das Modell für einen grundsätzlichen Wandel im Konsumverhalten: weg vom Einmalkauf, hin zu Mode im Kreislauf. Für die Kundin bedeutet das Zugang zu einer größeren stilistischen Vielfalt, als es der eigene Kleiderschrank bieten könnte, ohne die damit verbundenen Anschaffungskosten und ohne das Problem, selten getragene Stücke lagern oder entsorgen zu müssen. Für das Unternehmen wiederum bedeutet dieses Prinzip, dass ein einzelnes Kleidungsstück über seine Lebensdauer hinweg mehrfach Umsatz erzeugen kann, statt nur einmal verkauft zu werden. Diese Logik erfordert allerdings eine völlig andere Betriebsstruktur als ein klassischer Modehandel: Statt Ware einmal auszuliefern, muss jedes Stück nach jeder Nutzung eingesammelt, kontrolliert, gereinigt und für die nächste Ausleihe vorbereitet werden.

Umsatz-Modell

Das Umsatzmodell basiert auf einem monatlichen Abo, bei dem Kundinnen eine begrenzte Anzahl an Kleidungsstücken gleichzeitig ausleihen können. Ein solches Abo-Modell schafft für das Unternehmen einen planbaren, wiederkehrenden Umsatzstrom, da die monatliche Gebühr unabhängig davon anfällt, wie oft die Kundin die Kleidungsstücke tatsächlich wechselt. Ergänzend dazu bietet Rent the Runway auch einen Einzelverleih ohne Abo an. Dieses Angebot richtet sich an Kundinnen, die nur für einen einzelnen, klar abgegrenzten Anlass ein Kleidungsstück benötigen, etwa eine Hochzeit oder eine Feier, ohne ein dauerhaftes Abonnement eingehen zu wollen. Die Kombination aus wiederkehrendem Abo-Geschäft und einmaligen Einzelbuchungen erlaubt es, sowohl Kundinnen mit regelmäßigem Modebedarf als auch Gelegenheitsnutzerinnen zu bedienen und so eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Wirtschaftlich hängt der Erfolg eines solchen Modells stark davon ab, wie oft ein einzelnes Kleidungsstück über seine gesamte Nutzungsdauer verliehen werden kann, bevor es aufgrund von Abnutzung aus dem Bestand genommen werden muss. Je höher diese Wiederverleihrate, desto besser amortisieren sich die Anschaffungskosten der Kleidung sowie die laufenden Reinigungs- und Logistikkosten.

Gibt's das schon in Deutschland?

Ein direkter, skalierter Marktführer für Mode-Verleih im Abo-Modell ist im deutschsprachigen Raum aktuell nicht aktiv. Es gab in der Vergangenheit diverse europäische Versuche, etwa im Bereich hochwertiger Verleih-Startups, die jedoch vielfach an den hohen Logistik- und Reinigungskosten im deutschen Markt gescheitert sind. Diese Erfahrung zeigt, dass die Grundidee zwar auch hierzulande grundsätzlich nachgefragt sein kann, die operative Umsetzung aber deutlich anspruchsvoller ist als etwa bei einem reinen Softwaregeschäft. Wer die Angebotslage in Deutschland einschätzen möchte, sollte prüfen, wie hoch die Kosten für professionelle Textilreinigung und Rücksendelogistik im jeweiligen Zielmarkt tatsächlich sind und ob sich diese Kosten über eine realistische Abo-Preisgestaltung tragen lassen. Auch die Frage, wie viele Kundinnen ein Abo dauerhaft aktiv nutzen statt nach kurzer Zeit wieder zu kündigen, ist für die Tragfähigkeit eines solchen Modells entscheidend. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Fehlen eines etablierten Anbieters weniger an mangelndem Interesse liegt als an den strukturellen Herausforderungen, die ein physisches Verleihgeschäft mit sich bringt.

Was man beachten muss

Ein Kleidungs-Verleih im Abo-Modell ist kein reines Software-Geschäft, sondern erfordert eine funktionierende Logistik- und Reinigungsinfrastruktur. Jedes verliehene Stück muss nach der Rückgabe fachgerecht gereinigt, auf Schäden geprüft und gegebenenfalls repariert werden, bevor es erneut verliehen werden kann. Das bedeutet einen erheblichen Kapitalbedarf für Lagerhaltung, Reinigungskapazitäten und Versandlogistik, der deutlich über den Anforderungen eines klassischen Online-Handels liegt. In der allgemeinen rechtlichen Einordnung für Deutschland fällt ein solches Angebot unter die Regeln des Fernabsatzes, sofern der Abschluss online erfolgt. Das bedeutet unter anderem, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern grundsätzlich Informationspflichten zu Vertragslaufzeit, Kündigungsfristen und Kosten gegenüber transparent gemacht werden müssen. Da es sich um eine Dienstleistung und nicht um den Kauf einer Ware handelt, unterscheiden sich die Regelungen zu Widerruf und Rückgabe von einem klassischen Online-Kauf und müssen entsprechend in den Vertragsbedingungen abgebildet werden. Zusätzlich sind bei einem Verleihmodell Fragen der Haftung relevant, etwa wer für Beschädigungen an geliehener Kleidung während der Nutzung durch die Kundin aufkommt und wie eine Kaution oder ein Schadensausgleich gestaltet wird. Auch die Umsatzsteuer auf Verleihgebühren sowie die ordnungsgemäße Anmeldung eines Gewerbes für ein solches Geschäftsmodell gehören zu den allgemeinen Rahmenbedingungen, die zu beachten sind.

Allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand: 12.09.2026.